6.8.2021-Unternehmertalk

Rückblick zum UNTERNEHMER-TALK – 6.8.2021

2. September 2021

Blogserie: UNTERNEHMER-TALK – Stiftung

Stiftungsgründung – Spannende Nachfolge-Situation

Die TRADEMUS GmbH (lateinisch = „Wir werden weitergeben“) wurde von unserem Gast, Michael Höchsmann, zur Begleitung mittelständischer Unternehmer in Nachfolgesituationen gegründet. 80 Prozent der Mandanten suchten Nachfolgerinnen bzw. Nachfolger in der Familie, 20 Prozent wollten ihr Unternehmen verkaufen. Über mehrere Jahrzehnte hat er das Unternehmen erfolgreich geleitet. Die TRADEMUS GmbH ist in ein Beraternetzwerk eingebunden. Sie nutzt die Kooperation mit Beraterkollegen verschiedener Disziplinen in der Haltung Teilen und Weitergeben von Wissen und Ressourcen.

Im Rahmen seiner eigenen Unternehmensnachfolge hat Michael Höchsmann alle Gesellschaftsanteile sowie weiteres Barvermögen in eine Stiftung eingebracht. Das Unternehmen wird heute von Nachfolgegeschäftsführern geleitet. Michael Höchsmann unterstützt sie weiterhin beratend.

Die Gründe, eine Stiftung zu errichten, waren bei ihm zum einen in die Sicherung der Kontinuität von TRADEMUS, darüber hinaus die gemeinnützigen Förderung der Berufsausbildung, Beschäftigung und Selbständigkeit benachteiligter junger Menschen insbesondere in Afrika. Dafür erhält die Stiftung einen Teil ihrer Mittel aus dem Beratungsunternehmen.

Nachfolge Geregelt – Was mache ich danach?

Wenn es einen persönlich trifft, ist oft vieles anders als in der Begleitung der Kunden. Das hat auch unser Gast erfahren, obwohl er selbst viele Nachfolgesituationen begleitet hat. Die damit zusammenhängenden Qualen und Schmerzen blieben auch ihm nicht erspart, insbesondere die Frage der richtigen Auswahl bei der Entscheidung zur neuen Geschäftsführung machte ihm zu schaffen.

Zur Suche eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin gehörte für ihn unbedingt die Antwort auf die Frage: „Was mache ich danach?“ Erfahren hat er, dass sich Antworten darauf nicht planen lassen. Man findet sie durch Offenheit, in emotionalen Signalen und zufälligen Impulsen in seinem persönlichen Entwicklungsprozess. Deshalb rät er Unternehmern frühzeitig mit der Entwicklungsarbeit für die dritte Lebensphase zu beginnen; möglichst ab dem Alter von 50 Jahren.

Michael Höchsmann fand seine Antworten im Ausschlussverfahren. Was er nicht wollte, war, sein Unternehmen „auf dem Altar des Kommerzes zu opfern“ und damit das Risiko in Kauf zu nehmen, dass neue Gesellschafter die exklusive Positionierung und den ganzheitlichen Ansatz seines Beratungskonzepts, z. B. zur Erzielung größerer Skaleneffekte, nicht weiterführen.

Reisen, Golfspielen, Hobbies usw. waren für ihn kein Ersatz für die Fülle seines bisherigen Unternehmerlebens. Er sah darin lediglich Ersatzhandlungen. Sie boten für ihn keine tragfähigen Lösungen, sondern verdrängten das eigentliche Problem der Inhaltsleere.

konkrete Nachfolge-Umsetzung – Im Sattel sterben?

Hier kamen bei Michael Höchsmann mehrere Themen zusammen, die auch im Austausch mit vielen verschiedenen Unternehmer-Persönlichkeiten bei der Suche nach Antworten zu ihren Nachfolgefragen entstanden sind.„Im Sattel sterben (?)“ – Das „Alte“ war sein Tagesgeschäft. Hier kannte er sich aus. Das konnte er.

Durch die Einbringung der TRADEMUS GmbH in eine Stiftung, die Berufung einer neuen Geschäftsführung und die Erstellung einer Unternehmensverfassung hat er das Unternehmen nicht nur vieler Hinsicht geschützt, sondern auch die Basis für den weiteren Entwicklungsweg geschaffen.

In diesem Punkt konnte er loslassen. Damit war er nicht mehr in seine alten Tätigkeitsfelder eingebunden. Mit dem Verlassen des Unternehmens war er nicht mehr in das „Alte“ eingebunden. Er konnte (musste) sich nach Neuem orientieren.

Aus seiner heutigen Sicht hätte ihm auch eine 2-Tage-Arbeitswoche in seinem „alten Unternehmen“ keine ausreichende Öffnung für Neues gegeben. Gleiches gilt für Family Offices, denn die Nachfolgefrage ist nicht dadurch gelöst, dass ein geschäftsführender Gesellschafter seine operativen Aufgaben gegen die Leitung eine Vermögensverwaltung eintauscht. Die Frage, ob die Familie weiterhin ihn „ihrem“ Unternehmen operativ tätig sein will oder nur noch Finanzbeteiligungen hält, muss proaktiv und im Konsens zwischen den Gesellschaftern und der nachfolgenden Generation beantwortet und geregelt werden.

Die Empfehlung von Michael Höchsmann an betroffene Unternehmer ist daher, für die dritte Lebensphase neue Themenfelder zu suchen. Die können im Laufe des Nachfolgeprozesses entdeckt und erschlossen werden, aber für das Finden und Umsetzen ist genügend Zeit ohne akuten Handlungsdruck erforderlich.

Der Sinn im Alten – Lizenzgebühr für die Stiftung

Die Frage nach dem Sinn des Wirtschaftens beantwortet Michael Höchsmann für sich mit der Förderung und Unterstützung von Menschen durch unternehmerisches Handeln. Das Wirtschaften soll die Entwicklung der Menschen fördern und nicht primär der Gewinnmaximierung dienen. Deshalb erhält die von ihm errichtete Stiftung eine Lizenzgebühr in Höhe von 5 Prozent der Einnahmen aus dem Beratungsunternehmen. Sie unterstützt damit die Ausbildung und Existenzsicherung junger Menschen, insbesondere von Mädchen im ländlichen Raum Afrikas, um die Geburtenrate, Landflucht und Armut zu verringern und einen Beitrag für mehr globale Gerechtigkeit zu leisten.

Etwas neues machen sonst wird man das Alte nicht los

In dieser Phase des Übergangs, in einer für ihn bisher weitgehend unbekannte Aufgabenstellung, erlebt unser Gast, dass er wirklich etwas Neues begonnen hat. Er muss sich alles aktiv erarbeiten und völlig neue Netzwerke aufbauen. Aber gerade in dieser kreativen Pionierarbeit mit den vielfältigen menschlichen Begegnungen und der konkreten Erfahrung von Lebenssinn liegt für ihn der „Lohn“ seiner Nachfolgeentscheidung.

Mit dem Neuen verbundenes Lernen

Für die Gestaltung seines dritten Lebensabschnitts hat Michael Höchsmann das Studium zum Master für nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit begonnen und abgeschlossen, denn lebenslanges Lernen war und ist ihm ein Bedürfnis.

Offene Fragen

Am Ende des UNTERNEHMER-TALKs sprach unser Gast noch folgende Fragen an:
• Können Arbeitsplätze in Unternehmen erhalten werden, wenn die
Gesellschaftsanteile in einer Stiftung liegen?
• Wie können die folgenden Fragen entschieden werden:
„Sind wir als Familie auch zukünftig die bestmöglichen Eigentümer (best owner)?“
„Ist das Unternehmen nach wie vor der entscheidende Erfolgsbaustein (best asset) in
unserem Vermögens-Portfolio?“
• Wie kann entschieden werden, ob ein Unternehmen in eine Unternehmensgruppe
(Family Office oder Stiftungslösung) passt?

Michael Höchsmann steht Ihnen gerne zu einem Gespräch zur Verfügung.

Schreiben Sie mir Ihren Wunsch dazu, gerne koordiniere ich für Sie den Kontakt https://www.initiative-entwicklung.de/kontakt/

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